Zeche Oberhausen

Zeche Oberhausen (8)

Am 25. März 1926 ereignete sich bei der regelmäßigen Seilfahrt im Schacht Oberhausen 1 ein tragisches Unglück, welches 12 Todesopfer forderte. Zehn Bergleute wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt, 21 Mitarbeiter erlitten leichtere Verletzungen. Ein Schwerverletzter verstarb einige Tage später im Krankenhaus, so daß bei der Katastrophe insgesamt 13 Belegschaftsmitglieder zu Tode kamen.

In einer Traueranzeige ehrten Vorstand und Aufsichtsrat der Gutehoffnungshütte die tödlich Verunglückten.

(Abb. 43) Diese Anzeige erschien am 27. März 1926 in der Oberhausener Zeitung.

Vor der Beisetzung der Toten auf Friedhöfen in Mülheim-Dümpten, Lirich und Unter-Frintrop hatte sich am Montag, dem 29. März, auf dem Zechenplatz eine unübersehbare Trauergemeinde eingefunden. Angehörige, Freunde, Nachbarn, Kollegen, die Fahnenabordnungen der Knappenvereine aus Oberhausen und den umliegenden Städten, Vertreter fast aller Institutionen und Vereine sowie der benachbarten Schachtanlagen wollten den Verunglückten das letzte Geleit geben. Drei Opfer fanden auf dem Dümptener Friedhof in einer gemeinsamen Gruft ihre letzte Ruhestätte, die anderen Toten wurden in Einzelgräbern beigesetzt.

Die Oberhausener Zeitung berichtete am nächsten Tag unter der Überschrift Die letzte Fahrt der Knappen von Zeche Oberhausen ausführlich. Der folgende Ausschnitt kann einen Eindruck vermitteln, in welchem für heutige Zeiten ungewöhnlichen Stil der Redakteur seine Leser informierte.

(Abb. 44) Schichtwechsel auf der Zeche Oberhausen. Auch der Bergmann geht mit Hut zur Arbeit.

Um Produktion und Absatz von Magerkohle in Einklang zu bringen, nahmen Förderung und Belegschaftsstärke der Zeche Oberhausen in den folgenden Jahren langsam aber stetig ab. 1930 beschäftigte die Schachtanlage nur noch 1200 Belegschaftsmitglieder, die 356 000 Tonnen auf den Markt brachten.

Im Laufe des Jahres 1931 verschärfte sich der Absatzmangel außerordentlich, die Wirtschaftskrise war auf ihrem Höhepunkt angelangt. In dieser Situation reichten die bisher angewendeten Mittel Kurzarbeit und Belegschaftsabbau nicht mehr aus; die Leitung der GHH beschloß am 2. März, die Magerkohlenzeche Oberhausen stillzulegen.

Die Bergleute hofften in den folgenden Wochen, daß der Kelch noch einmal an ihnen vorübergehen möge. Doch dann meldeten die Neuesten Nachrichten, eine in Oberhausen erscheinende Tageszeitung, am 28. März:

Obgleich die Belegschaft der Zeche Oberhausen, die zum 31. März restlos gekündigt ist, noch immer auf eine Weiterführung dieser Zeche hoffte, wurde nun das Urteil über diese Schachtanlage gefällt, und es wird diese Zeche zum 1. April stillgelegt.
Von der Belegschaft von etwa 800 Mann werden etwa 450 Mann erwerbslos.
200 Mann werden nach Vondern verlegt. Nach der Schachtanlage Jacobi meldeten sich freiwillig 50 Mann, weitere 40 Mann, welche möglichst in der Nähe Osterfelds wohnen oder gute Fahrverbindungen dahin haben, werden zwangsweise nach Jacobi verlegt.
Zur Aufrechterhaltung der Betriebe und Ordnung bleiben etwa 60 Mann auf der Zeche Oberhausen – 25 Mann übertage und 35 Mann in der Grube.
Die Zechenverwaltung gibt zu, daß der Brikettabsatz vorläufig noch gut war, und es wäre evtl. möglich gewesen, die Zeche noch einige Monate zu erhalten, jedoch beginne am 1. April ein neues Urlaubsjahr und muß laut Tarif die Zeche jedem Arbeiter, der nach dem 1. April noch beschäftigt würde, den Tarifurlaub gewähren, was eine weitere Belastung der Schachtanlage von 75 000 RM bedeute.Obwohl der Brikettabsatz gut war, sei diese Zeche ein Zuschußbetrieb gewesen, und es sei in einem der letzten Monate bereits ein Zuschuß von 48 000 RM zu verzeichnen.

Als die Zeche Oberhausen am 31. März 1931 die Tore schloß, hatten die verbliebenen Bergleute bis zu diesem Zeitpunkt 90 000 t Kohle gefördert.
Die Zeche lag aber nicht vollkommen still, denn die Wasserhaltung mußte auch weiterhin das aus den Grubenfeldern Oberhausen, Jacobi, Vondern und Roland zufließende Wasser heben, das heißt, die Schächte Oberhausen 1 und Oberhausen 2 blieben offen. Auch die Gebäude auf dem Zechenplatz fielen nicht der Spitzhacke zum Opfer. Der Schacht Oberhausen 3 in Essen-Frintrop wurde nicht mehr gebraucht und 1932 verfüllt.

Bis 1934 hatte sich die wirtschaftliche Lage so weit normalisiert, daß bei der Gutehoffnungshütte auch wieder Geld für Werbung und Repräsentation zur Verfügung stand. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf das bevorstehende Firmenjubiläum beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat, auf der Zeche Oberhausen in sechs umgebauten Hallen eine ständige Werksausstellung aller im Konzern hergestellten Produkte und Anlagen einzurichten. Die eigenen Bergwerksmaschinen und Ausrüstungen sowie die Erzeugnisse anderer deutscher Bergbauzulieferer sollten, nach Möglichkeit in Funktion, in der Grube gezeigt werden. Auf diese Weise hoffte man, ein internationales Fachpublikum aus Wissenschaft und Praxis anzusprechen.

Im Sommer 1934 begannen übertage und untertage die Um- und Aufbauarbeiten. Etwa 60 Handwerker demontierten in den für die Ausstellung vorgesehenen Hallen und Grubenräumen die alten Maschinen, richteten die Räumlichkeiten für die neuen Aufgaben her und plazierten die Exponate publikumswirksam in der Ausstellung. Als besondere Attraktion sollte ein Aussichtspavillon auf der Seilscheibenbühne im Fördergerüst des Schachtes Oberhausen 1 dienen. Ein Fahrstuhl brachte die Besucher etwa 50 m hoch über den Erdboden; von hier aus konnten sie bei klarem Wetter einen herrlichen Blick über Oberhausen genießen.

(Abb. 45) Der Aussichtspavillon auf der Seilscheibenbühne im Schachtgerüst Oberhausen 1 ist deutlich zu erkennen.

Die Ausstellung öffnete im Mai 1935 pünktlich zum 125 jährigen Jubiläum der GHH ihre Pforten. Bei den Führungen um 9.00 Uhr und 16.00 Uhr, die einschließlich Grubenfahrt drei Stunden dauerten, sah das Publikum kein Museum, sondern in 6 Hallen eine eindrucksvolle Schau der Erzeugnisse einer Firma mit Weltruf, wo es eben ging als Originalprodukt, sonst als Modell oder als Großfoto. Im Mittelpunkt des Interesses vieler Gäste stand jedoch das Bergwerk. Denn nirgendwo sonst auf der Welt konnte jedermann so problemlos bis in diese Teufe anfahren, dort die modernste Technik kennenlernen und anschließend in einem Kino, das hundert Personen faßte, 609 m unter der Erde einen Film über die Arbeit der Bergleute sehen.

(Abb. 46) Das Bild zeigt das Schaubergwerk Oberhausen im Jahre 1937 von Westen aus gesehen.

(Abb. 47) Für diese Ansichtskarte wählte der Fotograf seinen Standort auf der Essener Straße.

Die Besucherzahlen übertrafen selbst die optimistischsten Schätzungen der Werksleitung bei weitem. Aus dem In - und Ausland reisten täglich Techniker und Kaufleute, Professoren und Studenten, sowie Politiker und Beamte an, um diese Ausstellung zu besichtigen und zu studieren. Aber auch interessierte Laien waren gerngesehene Gäste unter Tage. Die für diese Besucher hergerichteten Grubenbaue waren so sauber, daß man in normaler Straßenkleidung anfahren konnte. Wen wundert es, daß selbst viele Berginvaliden noch einmal in der Grube die modernen Maschinen begutachten wollten?Bis Anfang 1942, als der Schaubetrieb eingestellt wurde, hatten mehr als 250 000 Menschen die Zeche Oberhausen besucht und in aller Welt bekannt gemacht.

(Abb. 48) Im Füllort auf der 7. Sohle nahmen sachkundige Führer die Besucher 609 m unter der Tagesoberfläche in Empfang.

(Abb. 49) Bei der Besichtigung des Grubenbetriebes kamen die Besucher in einer Abbaustrecke an einem modernen Gummigurtförderer vorbei.

(Abb. 50) Die Grube konnte man befahren, ohne sich umzuziehen.

(Abb. 51) Der Kinosaal auf der 7. Sohle bot in 609 m Tiefe 100 Besuchern Platz.

Als sich die alliierten Bombenangriffe immer häufiger auf das Ruhrgebiet konzentrierten, lagerten die Wirtschaftsämter Oberhausen und Mülheim ab 1943 Lebensmittel und Bekleidung in der Grube. Auch die Stadtverwaltung und das Stadtarchiv brachten hier ihre Akten in Sicherheit. Die Räume auf der 6. Sohle boten zwar ausreichenden Schutz vor den Bomben, ungebetene Besucher ließen sich aber nicht abhalten. So verschwanden nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Akten.

In den Wirren der letzten Kriegstage und in den ersten Wochen nach dem Zusammenbruch 1945 gingen viele Exponate der Werksausstellung verloren, teils durch Diebstahl, teils durch mutwillige Zerstörung. In der Grube richtete das Wasser, das zeitweise nicht zu Tage gepumpt werden konnte, zusätzlich großen Schaden an. In dieser schlimmen Zeit dachte niemand bei der GHH an eine Wiedereröffnung der Werksausstellung und des Schaubergwerks. Man hatte bekanntlich andere Sorgen. Es gab nichts Wichtigeres, als die Produktion in den Betrieben wieder in Gang zu bringen. Der Zeche Oberhausen fiel dabei die Aufgabe zu, mit ihrer Wasserhaltung die angrenzenden Gruben zu entlasten.

Die vielen Anfragen in den späten 1940er Jahren veranlaßten die Verantwortlichen bei der GHH, erneut über das Schaubergwerk nachzudenken. Aus Kostengründen kam eine große Lösung mit Werksaustellung nicht in Betracht. Und als die Stadt Oberhausen zwar für das Projekt Interesse zeigte, sich aber nicht zu einer finanziellen Beteiligung durchringen konnte, fiel die Entscheidung, nur den Untertagebetrieb, allerdings mit Kino, wieder für Besucher herzurichten. Dabei war sich jeder darüber im klaren, daß das neue Schaubergwerk in Fachkreisen nicht die alte Bedeutung erringen konnte, weil die dafür erforderliche moderne Ausrüstung nicht zur Verfügung stand. Deshalb wurde auch beschlossen, die Grubenfahrten stark einzuschränken und nur ein handverlesenes Publikum zuzulassen.

Copyright © 2002-2012 Dieter Wientgens. Alle Rechte vorbehalten.